Buchensterben im FFH-Gebiet Kleiner Berg

 Auswirkungen der FFH-Richtlinie auf die Bewirtschaftung der Wälder vor dem Hintergrund des Klimawandels, beabsichtigte Reform der Beratung und Betreuung im Privatwald, ein noch fehlender Erschwernisausgleich für Wald in Landschaftsschutzgebieten/NATURA 2000

 

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Gruppenfoto mit der Kampagnenacht:

v. links nach rechts

Ludger Spiegelburg, GF WSG Osnabrück-Süd, GF KOL, Hans - Josef Avermann, WSG Osnabrück-Süd, Dirk Meyer zu Theenhausen, WSG Osnabrück-Süd, Lukas Obermeyer, KOL, Andreas Wiemer, Landwirtschaftskammer NDS, Jörg Görlich, Nord-West-Holz e.G, J. E. Niewedde, KOL, André Berghegger, MdB, Petra Sorgenfrei, GF WBV Niedersachsen, Norbert Leben, Präsident WBV Niedersachsen, Georg Meyer zu Hörste, KOL, Friedhelm Frhr. von Landsberg-Velen, Vorsitzender Forstbetriebsgemeinschaft Emsland Süd, Vize-Präsident WBV Niedersachsen, Johannes Meyer zum Alten Borgloh, Vorsitzender WSG Osnabrück Süd, Joachim Kellermann von Schele, KOL, Stefan Kleine-Wechelmann, Vorsitzender KOL, Eckhard Menkhaus, WSG Osnabrück-Süd, Claudia Hanesch, KOL, Sandra Wallenhorst, CDU-Kreistagsfraktion Osnabrück, Vorsitzende Arbeitskreis Umwelt und Energie, Heinrich Niederniehaus, CDU-Kreistagsfraktion Osnabrück, Sprecher Arbeitskreis Umwelt und Energie Foto: Muke

 In den Wald Kleiner Berg nach Bad Rothenfelde hatte die KOL (Kulturlandschaft Osnabrücker Land e. V.) mit dem Vorsitzenden Stefan Kleine-Wechelmann und Johannes Meyer zum Alten Borgloh, Vorsitzender der WSG (Waldschutzgemeinschaft) Osnabrück Süd am 12.08.2021 den Bundestagsabgeordneten André Berghegger aus Melle eingeladen.

Dringliche Themen wie die beabsichtigte Reform der Beratung und Betreuung im Privatwald durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und deren Folgen für den Klein- und Kleinstprivatwald und die Auswirkungen der FFH-Richtlinie auf die Bewirtschaftung der Wälder vor dem Hintergrund der Dürre und Käferkalamitäten sollten im FFH-Gebiet Kleiner Berg mit einer FFH -Fläche von 531 ha aufgezeigt und in diesem Zusammenhang auch über den noch nicht umgesetzten Erschwernisausgleich für den Wald in Landschaftsschutzgebieten/NATURA 2000 gesprochen werden.

 

Dr. André Berghegger ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages,  er ist Obmann der CDU/CSU-Fraktion und ordentliches Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss; Haushaltsausschuss; und Stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Inneres und Heimat. Der Jurist hat sein Wahlkreisbüro in Melle und war von 2006 bis 2013 auch Bürgermeister der Stadt Melle.

 

Die KOL setzt sich zusammen aus Grundstückseigentümern und Grundstücksnutzer, die die Rechte des Eigentums wahren und sichern wollen, Interessenverbände der Forst- und Landwirtschaft sowie die vor- und nachgelagerten Bereiche der Forst- und Landwirtschaft (z. B. Sägewerke, Forstdienstleister etc.).

 

Johannes Meyer zum Alten Borgloh begrüßt die Teilnehmer, insbesondere André Berghegger, MdB, den Präsidenten des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen Norbert Leben mit der Geschäftsführerin Petra Sorgenfrei sowie Sandra Wallenhorst, Vorsitzende und Heinrich Niederniehaus, Sprecher des Umweltausschusses der CDU-Kreistagsfraktion Osnabrück.

 

Kampagne 8 – Wald ist Klimaschützer

Präsident Leben erläutert die Kampagne 8 vorab. Die Kampagnenacht ist eine Initiative der AGDW-Die Waldeigentümer und der Familienbetriebe Land und Forst! Mit mehr als 127 Millionen Tonnen CO2 bindet unser Wald (mit der Verwendung von Holz) rund 14 Prozent des jährlichen CO2- Ausstoßes der deutschen Volkswirtschaft.
Ein Hektar Wald bindet pro Jahr im Schnitt 8 Tonnen CO2. Das entspricht dem durchschnittlichen CO2- Fußabdruck jedes deutschen Bürgers.

Waldeigentümer sind Klimaschützer! Ohne Wald kein Klimaschutz! So sein Credo.

 

Buchen sterben ab

Die Buchen sterben im Kleinen Berg aufgrund der Trockenheit ab. Wir sind hier im FFH Gebiet aber verpflichtet diese Baumart zu erhalten, führt Johannes Meyer zum Alten Borgloh in die Problematik zu den Auswirkungen der Umsetzung der FFH-Richtlinie vor dem Hintergrund der Dürre und Käferkalamitäten ein. Die Buche stirbt langsam. Nach einem Trockenereignis leidet die Buche bis zu ca. 10 Jahren und stirbt dann erst. Es zeigt sich wie unsinnig es ist, was hier beschlossen wurde. Die Esche ist ebenfalls abgängig. Alle Entscheidungsträger sollten sich das hier einmal ansehen. Für die vom Naturschutz vorgeschriebene Buche gibt es zudem keine forstliche Förderung, da sie hier nicht standortgerecht ist, so Johannes Meyer zum Alten Borgloh weiter.

Wir wollen unseren Wald in die nächste Generation überführen, aber mit der Buche wird es nicht möglich sein, konstatiert der KOL Vorsitzende Kleine-Wechelmann. Ein sterbender Buchenbestand erfüllt auch die wichtigen Funktionen wie CO2-Speicher und Grundwasserneubildung nicht mehr. Bei den Themen Wald und Umwelt dürfen und werden wir uns nicht zurückziehen, sondern weiterhin massiv einbringen, um unseren Wald auch für die nächsten Generationen zu erhalten und zu schützen. Zum Erhalt des Waldes sind auch im FFH – Gebiet klimastabile Baumarten erforderlich, zu denen auch außereuropäische Baumarten gehören.

Frau Sorgenfrei hebt hervor wie wichtig die Aufnahme einer Klimawandelöffnungsklausel in die Verordnungen, in die Managementpläne ist, um die Amplitude der Baumarten in FFH-Gebieten mit klimaangepassten Baumarten effektiv zu erweitern.

 

Kleinststrukturierter Waldbesitz braucht ausreichende Unterstützung

Die Waldeigentümer der WSG Osnabrück werden von der Landwirtschaftskammer (LWK) betreut. Wenn die Reform der forstlichen Förderung kommt ist die Beratung und Betreuung nicht mehr kostendeckend möglich, spricht Johannes Meyer zum Alten Borgloh ein weiteres Problem an.

Der Kleine Berg hat eine Holzbodenfläche von 600,6 ha die 280 Eigentümern gehören, im Schnitt hat jeder Eigentümer ca. 1,9 ha. Die kleinste Fläche beträgt 0,02 ha, die größte 44 ha, erläutert Michael Muke, Förster der Landwirtschaftskammer die Eigentumsgrößen. Er hebt eine 31 ha große Waldfläche hervor die 67 Waldbesitzer mit im Schnitt 0,46 ha besitzen. Durch die Kleinstrukturiertheit des Waldbesitzes ist der Zeit- und Arbeitsaufwand zur nachhaltigen Pflege des Waldes ein wesentlich größerer. Buchen die von Trockenheit betroffen sind müssen auch kurzfristig geerntet werden, weil sonst die Entwertung durch Weißfäule einsetzt.

Zum Alten Borgloh M. Muke Döhrenberg

V.l. Johannes Meyer zum Alten Borgloh, Michael Muke

Foto: Sorgenfrei

 Vorsitzender Frhr. von Landsberg-Velen wirft ein, wie wichtig es ist, dass der Wald mit der Vielzahl der Waldbesitzer in seiner Gesamtheit bewirtschaftet wird. Präsident Leben verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse (FwZ) die in der Regel einen Kooperationsvertrag mit der Landwirtschaftskammer abgeschlossen haben. Der FwZ übernimmt die Bündelung der Waldbesitzer auf der Fläche und die LWK die Beratung und Betreuung. Die Zusammenarbeit hat sich bewährt, so sein Fazit.

 

Gefährdung der Waldbesucher und Forstwirte durch absterbende Bäume

im FFH-Gebiet

Große Probleme bereitet auch die Gefährdung der Waldbesucher und Forstwirte durch die absterbenden Bäume. Es müssen im FFH- Lebensraumtyp Habitatbäume ausgewiesen und dem natürlichen Zerfall überlassen werden. Zwar haftet der Waldeigentümer nicht bei waldtypischen Gefahren, aber der Waldeigentümer muss auch an Wegen in ausgewiesenen FFH-Gebieten die Verkehrssicherungspflicht übernehmen. Für die Arbeitssicherheit muss präventiv viel gemacht werden.

Buchensterben

Absterbende Buchen im Kleinen Berg

Foto: Sorgenfrei

 Meyer zum Alten Borgloh teilt dazu noch mit, dass seitens der Waldeigentümer gefordert wurde, dass die Verkehrssicherungspflicht vom Landkreis übernommen wird, es befinden sich auch zwei große Kurkliniken in der Nähe deren Gäste gerne in diesem Wald wandern, aber der Landkreis hat dieses kategorisch abgelehnt.

Nachhaltig vitale Wälder und keine Bürokratie

Wir brauchen nachhaltig vitale Wälder, aber keine Verordnungen und Managementpläne über hunderte von Seiten, mit Maßnahmen, die uns Waldbesitzern aufzeigen sollen, wie der Wald zu bewirtschaften ist, stellt Kleine-Wechelmann fest. Die Wälder wurden als FFH-Gebiete ausgewiesen, weil sie über Jahrhunderte vorbildlich bewirtschaftet worden sind und diese Wälder greifen sich jetzt die Naturschutzbehörden und verhängen darüber das Ordnungsrecht. Unsere Waldbesitzer fühlen sich kalt enteignet. Ein Erschwernisausgleich für Wald in Landschaftsschutzgebieten/NATURA 2000 wird zudem immer noch nicht gezahlt.

Frau Hanesch fordert, dass die „verpflichtenden“ Maßnahmen in den Managementplänen auf das Mindestmaß zu beschränken sind.

Lukas Obermeyer merkt noch an, dass die Kostenaufstellungen für die aufgeführten Maßnahmen in den Managementplänen nicht realistisch sind. Ein finanzieller Ausgleich der vielen Auflagen und Bewirtschaftungseinschränkungen für Waldbesitzer ist nicht aufgeführt.

 Döhrenberg Gruppe im Wald

V. links n. rechts: Sandra Wallenhorst, CDU-Kreistagsfraktion Osnabrück, Vorsitzende Arbeitskreis Umwelt und Energie, Heinrich Niederniehaus, CDU-Kreistagsfraktion Osnabrück, Sprecher Arbeitskreis Umwelt und Energie, André Berghegger, MdB, Hans - Josef Avermann, WSG Osnabrück-Süd, Norbert Leben, Präsident WBV NDS, Georg Meyer zu Hörste, KOL, Johannes Meyer zum Alten Borgloh, Vorsitzender WSG Osnabrück Süd, Friedhelm Frhr. von Landsberg-Velen, Vorsitzender Forstbetriebsgemeinschaft Emsland Süd, Vize-Präsident WBV Niedersachsen, Joachim Kellermann von Schele, KOL, Stefan Kleine-Wechelmann, Vorsitzender KOL, Lukas Obermeyer, KOL, Claudia Hanesch, KOL. Foto: Sorgenfrei

10 Jahre Diskussion

Das FFH-Gebiet Kleiner Berg/Teutoburger Wald wurde festgelegt, es gab da wenig Spielraum. Anstatt einer Ausweisung als NSG haben wir aber eine Ausweisung als LSG erreicht. Und auch bei der Ausweisung der Habitatbäume gab es Erleichterungen. Der Landkreis strebt eine Konsenslösung an, zeigt Heinrich Niederniehaus Verständnis für den Unmut der Waldeigentümer.

Dr. André Berghegger, MdB:

Ich bin gerne gekommen und beeindruckt von den Waldbildern die ich hier gesehen habe. Dies hat mir einen noch besseren Einblick in die Probleme der Waldeigentümer gegeben. Wichtig ist jetzt, dass wir den Blick nach vorne richten und Lösungen suchen. Was die Probleme in den FFH-Gebieten wie die absterbende Buche anbetrifft, stellt sich die Frage, wo haben wir Möglichkeiten etwas zu ändern? Im Kreistag etwas zu erreichen, scheint mir erfolgversprechend, geht Dr. André Berghegger auf die Sorgen und Nöte der Waldbesitzer ein. Wir müssen aber auch Wahrheiten anerkennen, was die direkte Bezuschussung der betreuenden Organisationen des Privatwaldes anbetrifft, dieses wird in der bisherigen Höhe nicht mehr möglich sein, ergänzt Berghegger.