Waldbesitzer im Landkreis Rotenburg sind vorbereitet

Die Vertreter aus der Kreispolitik konnten sich Ende August 2013 davon überzeugen, dass sich der Wald bei den privaten Waldbesitzern im Landkreis Rotenburg (Wümme) in guten Händen befindet. Die Forstverbände aus Rotenburg, Zeven und Bremervörde wanderten mit rund 50 Teilnehmern durch den Waffensener Wald und berichteten über die Entwicklung der Wälder in den letzten Jahrhunderten. Sie gaben einen Einblick über das Waldbild, welches Waldbesitzer und Gesellschaft in Zeiten der Klimaveränderung erwarten wird. Im Landkreis Rotenburg sind gut 70% der Wälder schon seit vielen Generationen in den Händen von privaten Familien.

Geburtstagskind Nachhaltigkeit – vor 300 Jahren im Wald auf die Welt gekommen

In der Forstwelt feiert man 2013 als das Jahr der Nachhaltigkeit. Denn es ist genau 300 Jahre her, dass ein Forstmann den Begriff der Nachhaltigkeit erstmals definierte. Hans Carl von Carlowitz kritisierte 1713 mit Blick auf die steigende Holzknappheit das allein auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtete Wirtschaften. Er wusste, wer nur so viel erntet, wie auch nachwächst, kann den Wald auch für die künftige Generation erhalten. Die Waldeigentümer im Landkreis Rotenburg wissen schon seit vielen Generationen, dass kurzfristige Profitmaximierung nur scheinbar Vorteile bringt; denn Grund und Boden ist nicht ein Wirtschaftsgut, das abgeschrieben und ausgemustert werden kann, er bleibt für immer - doch als Wert nur dann, wenn das ökologische Gleichgewicht sorgfältig erhalten wird. Die pflegliche, nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Waldflächen sichert ihren Nutzen nicht nur für sich und die nachfolgenden Familien-Generationen hinaus, sondern auch für die Allgemeinheit – hier entsteht ein Gemeinwohl durch den Eigennutzung.

Nach jahrzehntelanger Durststrecke im Wald – es geht wieder aufwärts

Die Wälder in der Region litten in den letzten Jahrhunderten unter nicht gefestigten Besitzverhältnissen, der Heide-Bauernwirtschaft mit Waldweide und Plaggennutzung und Kriegen. Aber auch heftige Stürme sorgten dafür, dass die Waldbesitzer noch vor wenigen Jahrzenten tief in die Tasche greifen mussten, damit der Wald nicht verkümmert. Hans-Jürgen Bostelmann von der Kreis-Waldmärkerschaft Rotenburg weiß: „Die mühseligen finanziellen Anstrengungen rentieren sich heute ein wenig. Der Holzmarkt ist gut und endlich profitieren die Waldbesitzer auch einmal vom Holzeinschlag.“  Doch die Freude ist eher kurzfristig. Denn nun geht es darum, die Wälder für die zukünftige Generation, die Kinder und Enkelkinder, so vorzubereiten, dass sie auch in Zukunft im ökologischen Gleichgewicht wachsen. Der Waffenser Waldbesitzer Heinzdieter Gerdau sorgt für einen Waldumbau in vielstrukturierte Mischwälder mit Buche, Roteiche, Douglasie und anderen Baumarten. Die Kiefer und Fichten erhalten bunte Begleitung.

Nachhhaltigkeit heißt aber auch: Langfristig planen

Um jedoch beurteilen zu können, welche Baumart auf welchem Standort eine Zukunft hat, brauchen die beratenden Förster des Landwirtschaftskammer Forstamtes Nordheide-Heidmark eine fundierte Datenlage über die Boden- und Bestandesverhältnisse. Deshalb investieren die Waldbesitzer derzeit wieder einmal in eine flächendeckende Waldinventur und auch eine Standortkartierung mit detaillierten Informationen über die Bodenverhältnisse ist geplant. „Auch das ist eine Investition in die Zukunft. Damit wir unsere Wälder verantwortungsvoll gestalten können, brauchen wir Planungsinstrumente, “ berichtet Günter Rosenbrock vom Forstverband Zeven. Außerdem erforscht man in einem gemeinsamen Projekt von Landkreis und Landwirtschaftskammer im Rahmen des EU-Projekts BIOENERGY PROMOTION derzeit modellhaft die Möglichkeit, das Potential von Waldrestholz aus Baumkronen und anderen Holzsortimenten minderer Qualität für energetische Zwecke zu ermitteln, um potentiellen Verbrauchern die benötigte Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auch davon konnten die Waldbesucher am heutigen Tag erfahren.

Die Waldbesucher, unter anderem der Rotenburger Landrat Hermann Luttmann und einige Vertreter des Kreistages, diskutierten die wichtigen politischen und wirtschaftlichen Themen lebendig mit den Waldbesitzern. Am Abend wurden dann noch die kulinarischen Produkte des Waldes gekostet und bei einem gemeinsamen Wildschweingrillen über die Zukunft der privaten Wälder im Landkreis nachgedacht.

Steckbrief FBG Kreis-Waldmärkerschaft Rotenburg  

… 9.412 Hektar Wald

…Waldbesitzer:  906 Einzelmitglieder

…Hauptbaumarten: 41,1 % Kiefer, 31,6 % Aln (Andere Laubhölzer mit niedriger Umtriebszeit: z.B. Birke, Erle, Weide, Vogelbeere etc.), 14,9 % Fichte  6,8 % Eiche, 2,6% Lärche, 1,5% Buche.

Kontakt:  Vorsitzender Hans-Jürgen Bostelmann  (Bostelmann@gmx.de; Mobil: 0171/8965312)

 

Steckbrief FBG Forstverband Zeven      

… 3.159 Hektar Wald

…Waldbesitzer: 410 Einzelmitglieder

…Hauptbaumarten: 33,8 % Aln, 29,7 % Kiefer, 18,9 % Fichte , 8,5 % Eiche, 4,8 %  Buche, 3,3 %Lärche, 1,0 % Douglasie

Kontakt: Vorsitzender Günter Rosenbrock (guenter.rosenbrock@ewetel.net; Mobil: 0175/9026204)

 

Steckbrief FBG Forstverband Bremervörde 

… 4.080 Hektar Wald & ca. 2000 Hektar  Moor

…Waldbesitzer: 558 Einzelmitglieder

…Hauptbaumarten: 36 % Aln, 23% Fichte, 22% Kiefer, 10 % Eiche, 2% Douglasie, 4% Lärche, 3% Buche

Kontakt: Vorsitzender Christoph Rademacher (Mobil (GF Stefan Imbusch): 0172/4207462)

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