Tagung: Waldsterben in der Heide

Der Waldbesitzerverband Niedersachsen lud in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer am 08.10.2019 in der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel ein:

Waldsterben in der Heide – Welche Baumarten haben (noch) eine Zukunft?

 

700 besorgte Gesichter in der Heidmark-Halle 

Waldsterben in der Heide beschäftigt die Waldbesitzer sehr 

Bad Fallingbostel, 08.10.2019: In der Heide ist der Klimawandel sichtbar und messbar. Viele Bäume sind der Trockenheit der letzten zwei Jahre zum Opfer gefallen. Waldbesitzer haben Angst um ihr Generationenerbe. Der Waldbesitzerverband Niedersachsen e.V. lud gemeinsam mit den Waldbesitzern aus der Heide und in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) nach Bad Fallingbostel ein, um über die Zukunft der hiesigen Wälder zu informieren und zu debattieren. Der Initiator Heiner Beermann, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Walsrode, führte versiert durch den Tag, der für die rund 700 Gäste viele Lösungsansätze für das Problem hervorbrachte. 

Alle Baumarten sind betroffen

„Es sind vor allem die Standorte, die „Bruch“ oder „Moor“ im Namen haben, die Bäume verlieren“, erklärt der ansässige LWK Bezirksförster, Kai Hildebrandt. Er präsentierte in seinem Vortrag viele erschreckende Bilder von geschädigten und abgestorbenen Bäumen. Es ist nicht nur das Sorgenkind Fichte, sondern auch Buche, Ulme, Esche, Erle, Birke, Kiefer und Douglasie. Fast die ganze Palette der natürlichen Waldbäume. Rudolf Alteheld, der Leiter des Geschäftsbereich Forstwirtschaft der LWK, stellt es später so dar: die Bäume, für die das Wasser immer gleichmäßig zur Verfügung stand, können jetzt mit den Veränderungen am wenigsten umgehen und erkranken. Die Bäume, die schwankende Wasserverfügbarkeit gewohnt sind, halten nun bei der Trockenheit eher durch. Es ist also nicht nur eine Frage der richtigen Baumart, sondern auch der richtigen Konditionierung. Haben die Wurzeln sich gut entwickeln können? Oder wurden sie womöglich bei einer Pflanzung nicht richtig in den Boden gebracht und kümmern nun im Wuchs? Wichtige Fragen, die ein Waldbesitzer sich nach dieser Veranstaltung in der Bewirtschaftung der eigenen Wälder mehr und mehr stellen wird. 

Sinkende Grundwasserstände

Klar ist, dass den Bäumen vor allem das Wasser fehlt. Dadurch werden sie anfälliger für Krankheiten und sind bei den vermehrten Stürmen nicht widerstandsfähig genug, stehen zu bleiben. Ein Blick auf die Standortkartierung der Region verrät es. Edwin Schmidt untersuchte die Böden schon viele Jahre. Doch er sieht noch Verbesserungen im Kartierverfahren. Zu wenig weiß man über die Durchwurzelungstiefe und -intensität der einzelnen Baumarten. Schon seit den 90er Jahren setzt man in der Forstwirtschaft auf die Buche als natürliche Baumart. Sie hilft in der Mischung, den Boden mit ihren Wurzeln auch für andere Bäume für Wasser zu erschließen. Doch leider, so prognostiziert es Ralf-Volker Nagel von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, wird auch die Buche mit den steigenden Temperaturen und den geringeren Niederschlägen zu kämpfen haben. Sie sollte lediglich eine Beimischung in den Waldbeständen der Zukunft sein. Mit drei Grad höheren Durchschnittstemperaturen und bis zu einem Drittel der sonst gewesenen Niederschläge vor noch 50 Jahren, ist laut Nagel der Klimawandel in der Heide deutlich messbar. Er empfiehlt den Waldbesitzern, sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse bei den waldbaulichen Planungen zu berufen. Forstwirtschaft funktioniert eben in Jahrzehnten und Jahrhunderten, nicht, wie in der Landwirtschaft in Jahresrhythmen. Für neue, eher exotische Baumarten aus dem Süden wie zum Beispiel Baumhasel oder Tulpenbaum gibt es derzeit zu wenig Erfahrungen. Dennoch wird sich das Waldbild ändern müssen, wenn man den Wald in der Region langfristig erhalten will. Favoriten sind hier die schon bekannten Roteichen, Flatterulmen, Lärchen, aber auch weiterhin Kiefer und Douglasie in wohlüberlegten Mischungen. „In der Pflanzenversorgung der nächsten Jahre sind Engpässe zu erwarten!“, sagt Andreas Preuß von der Forstsaatgutberatungsstelle in Niedersachsen. Er richtet sich mit der Bitte um vorrausschauende und sorgfältige Planungen an die Waldbesitzer und die betreuenden Förster. Denn anerkanntes, hervorragendes Saatgut ist ein Garant für gute Holzqualitäten und dieses gibt es nicht auf spontanen Zuruf. 

Money, Money, Money 

Das Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen (ML) arbeitet derzeit an einer Neuauflage der Förderrichtlinie. Durch diese erhalten Waldbesitzer bei Neuanpflanzungen eine finanzielle Förderung bestimmter Baumartenmischungen. Der sogenannte WET – der Waldentwicklungstyp – ist hier der Wegweiser. „Der WET ist Grundlage für die Förderung, und die Standortkartierung ist Grundlage für den WET“, so Ina Abel, Ministerialdirigentin des ML. Das bedeutet, die Waldbesitzer, die nun jahrzehntelang ihre Wälder nach bestem Wissen und Gewissen nachhaltig gepflegt haben, dürfen wieder tief in die Tasche greifen. Denn Kartierungen und Wiederbewaldungen, aber auch das Abräumen der abgestorbenen Bäume kosten Geld. Der Holzmarkt ist derzeit nahezu tot, Einnahmen sind nicht wirklich zu erwarten. 

Norbert Leben, Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, freut sich daher über Zusagen der Bundesministerin Julia Klöckner und der Landesregierung für finanzielle Unterstützung in diesem Prozess. Beträge von 30-40 Millionen Euro pro Jahr könnten es sein. Er appelliert jedoch auch an die Gestalter der Fördergrundsätze, dass es „eine Version für die Praktiker“ geben muss. Und macht damit deutlich, wie umständlich und bürokratisch die Antragsverfahren sind. Für manchen kleinen Waldbesitzer, der dieses nur „nebenbei“ machen soll, viel zu umständlich. 

Die Referentin der LWK, Dr. Jacqueline Logmani-Aßmann ermutigt die Waldbesitzer auf ihre Art und untermauert nochmals, dass Klimawandel eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei und die LWK die Waldbesitzer in diesem Prozess nicht alleine lassen wird. Dieses Gefühl, was die Veranstalter mit all den Beiträgen vermittelten, nahmen wohl die meisten Waldbesitzer dankbar mit nach Hause. Denn alle wissen, Wälder und die Nutzung des Öko-Rohstoffes Holz sind wichtige Größen, wenn es darum geht, Co2 langfristig zu speichern und den Klimawandel aufzuhalten. 

Download der Zusammenfassung

Download der Vorträge

Kai Hildebrandt, LWK Bezirksförster Allertal 

Edwin Schmidt, Standortkartierung LWK 

Ralf-Volker Nagel, Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt

Andreas Preuß, Forstsaatgutberatungsstelle Oerrel

Dr. Jacqueline Logmani-Aßmann, LWK Niedersachsen

Ina Abel, Niedersächsisches Ministerium für Landwirtschaft

 

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