Neue Europäische Forststrategie in Abstimmungsprozess

Im April 2011 hat die Europäische Kommission den Startschuss für die Überarbeitung der EU Forst(wirtschafts)strategie von 1998 gegeben. Nach zwei Jahren voller Konsultationen, Diskussionen und Analysen befindet sich die 14 Seiten umfassende Mitteilung derzeit in der Phase der Abstimmung zwischen den betroffenen Kommissionsdienststellen.

Danach wird die EU-Kommission die Mitteilung an den Rat und das Parlament mit der Bitte um Stellungnahme weitergegeben. Die aktive Lobbyarbeit der Waldeigentümer und Forstleute ist dann in diesen Prozessen wieder stark gefragt. Auch, wenn die vorangegangen Entwicklungen, dank des Einsatzes der Interessensvertreter, ein derzeit recht ausgewogenes Papier hervorgebracht haben. Ziel sollte sein, dass die Strategie sowohl durch eine Resolution des Parlaments als auch des Rates politisch anerkannt wird.

Eine EU Forststrategie bleibt jedoch weiterhin unter dem Subsidiaritätsprinzip ohne tiefgehende rechtliche Verbindlichkeiten für die EU Mitgliedstaaten. Für die stimmige Entwicklung einer subsidiären Forstpolitik in der EU ist deshalb das Zusammenspiel zwischen der zukünftigen Waldkonvention und der Forststrategie von Bedeutung. Denn die „neue“ EU Forststrategie wird die Länder in ihrem forstlichen Handeln in den nächsten Jahren mit einer innovativen Vision und auch aktiven Aktionen begleiten.

[1] Die Vision für die „neue“ EU Forststrategie erstreckt sich bis in das Jahr 2050 und wünscht sich multifunktionale und nachhaltige Wälder und einen innovativen Forstsektor, der

  • waldbezogene Lebensgrundlagen unterstützt
  • soziale, ökonomische und umweltbezogene Bedürfnisse/Anforderungen auf lange Sicht nachhaltig erfüllt
  • in vollem Umfang zu intelligentem, inklusivem und nachhaltigem Wachstum und zu anderen Zielen für 2020 und 2050 aus den Bereichen ländliche Entwicklung, biologische Vielfalt, Klimawandel und Bioenergie beiträgt

Als Oberziel formuliert die Forststrategie, bis 2020 sicherzustellen und zu demonstrieren, dass alle Wälder in der EU entsprechend den Prinzipien für nachhaltige Waldbewirtschaftung bewirtschaftet werden. Auch, dass der Beitrag der EU zur Förderung von nachhaltiger Waldbewirtschaftung und zur Verringerung von Entwaldung auf globaler Ebene gestärkt wird, und somit:

  • dazu beiträgt, die verschiedenen Waldfunktionen auszubalancieren und Anforderungen zu erfüllen, sowie lebenswichtige Ökosystemdienstleistungen zu liefern
  • eine Grundlage für die Waldbewirtschaftung und die gesamte Wald-Holz Wertschöpfungskette geschaffen wird, um wettbewerbsfähig zu sein und einen wachstumsfähigen Beitrag zur grünen Wirtschaft zu leisten.

Zehn miteinander verwobene Prioritätenbereiche folgen sinnbildlich dem Aufbau eines Baumes von den Wurzeln bis ins Kronendach und geben dem Text der „neuen“ EU Forststrategie eine bildhafte Gliederung. Die Wurzel sorgt für eine verbesserte Wissensbasis, der Stamm der zukünftigen Entwicklung konzentriert sich vielversprechend auf die nachhaltige Waldbewirtschaftung mit Fokus auf die sozialen Belange, insbesondere die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit des Forstsektors im ländlichen Raum,  und das Kronendach sieht die Förderung von Koordination und Kommunikation vor.

3. Das Kronendach:

Förderung von Koordinierung und Kommunikation

 

  • Koordinierung und Kommunikation
  • Internationale Aspekte

2. Der Stamm:

Nachhaltige Waldbewirtschaftung leistet einen Beitrag zu den wichtigen sozialen Zielen wie

  • intelligentes und nachhaltiges Wachstum
  • ländliche Entwicklung und Lebensqualität
  • Verbesserung und Schutz der Umwelt
  • Unterstützung von ländlichen und städtischen Gemeinschaften
  • Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfungskette
  • Bioenergie
  • Klimawandel
  • Waldschutz
  • Ökosystemdienstleistungen und biologische Vielfalt

1. Die Wurzeln:

Verbesserung der Wissensbasis

  • Forstliche Informationssysteme und Überwachung
  • Forschung und Innovation

Bildhafte Gliederung der „neuen“ EU Forststrategie – Erläuterungen dazu im Anhang

Neben der ex-post Evaluierung des EU ForstAktionsPlans und seiner Empfehlungen, den es seit 2006 gibt, wird ein Aktionsrahmen, als ein wichtiges Element für seine Umsetzung, diese Strategie ergänzen. Dieser wird von der Kommission in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten und den Interessenvertretern erstellt. Hier werden nicht nur der Forstsektor und die Forstpolitik beleuchtet, es sollen auch andere relevante Politikbereiche wie Klimawandel, Biodiversität, Energie oder Forschung einbezogen werden. Davon erhofft man sich eine verbesserte koordinierte Umsetzung aller Bereiche.

Auf der operationalen Ebene können Waldbewirtschaftungspläne oder ähnliche Instrumente die zehn prioritären Bereiche dieser Strategie unterstützen. Dazu zählen auch die ländliche Entwicklungspolitik sowie die Politik zum Thema Biodiversität. Aber auch Themen wie z.B. Waldbrände, Förderung von nachhaltigem Holz oder regionale/überregionale Zusammenarbeit sollen ihren Platz finden und den Mitgliedsstaaten hier die Fortentwicklung ermöglichen.

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