Katastrophale Schäden im Privatwald – Bereisung des Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion Dirk Toepffer

Am 05.08.2019 fand eine Bereisung des Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion Dirk Toepffer in die von Sturm, Dürre und Borkenkäfer stark geschädigten Waldflächen in der Graf v. Hardenberg'schen Forstverwaltung Ostlutter am südlichen Rand des nördlichen Harzvorlandes statt.

Der Fraktionsvorsitzende zeigte sich betroffen von den Schadbildern die sich ihm - in denen seit über vielen Generationen in Familienbesitz befindlichen Wäldern - boten.

Wald muss zur Chefsache werden, so der Präsident des Waldbesitzerverbandes Norbert Leben. Leben erläutert dem Fraktionsvorsitzenden die Sachlage der Katastrophe: Stürme, extreme Dürre und massiver Borkenbefall hätten, so der Präsident, Schäden von ungeahntem Ausmaß hervorgerufen. Über 2 Mio. Festmeter (Fm) Schadholz allein im niedersächsischen Privatwald sprechen für sich. Waldbesitzer stehen vor großen Herausforderungen, zum einen ihren Wald zu sichern und zum anderen diesen zukunftsfähig zu machen. Das bedeute aber auch, so Leben, dass die Waldbesitzer viel Geld in die Hand nehmen müssen. Allein die Aufarbeitung wird über 50 Mio. Euro kosten. Geld, das viele Waldbesitzer, insbesondere die Kleinstwaldbesitzer, nicht haben. Angesichts der katastrophalen Holzmarktlage können die Aufarbeitungskosten von ca. 25,00 €/Fm noch nicht einmal durch den Holzertrag gedeckt werden.

Leben führte weiterhin aus, dass das Ende der Käferkalamität noch nicht abzusehen sei, aber bereits jetzt sei klar, dass ca. 9.000 ha Privatwald wieder aufgeforstet werden müssen. Vor diesem Hintergrund stehen viele Privatforstbetriebe, Forstgenossenschaften und Forstbetriebsgemeinschaften vor einem erheblichen Liquiditätsproblem.

Schon in naher Zukunft könnte diese Katastrophe die diversen Waldfunktionen (u.a. Klimaschutz, Luftfilter, Erholung, Bodenschutz, Wasserspeicher, Wasserfilter und Co2-Bindung) akut gefährden. Darüber hinaus, so Leben, habe man Sorge, dass in der Folge das bewährte Betreuungssystem Privatwald – Landwirtschaftskammer besonders im Kalamitätsfall, durch fehlende Gelder und nachlassendes Interesse des Eigentümers an seinem Wald nachhaltigen Schaden nehmen könnte.

Er stellt heraus, Wald ist gesamtgesellschaftliche Daseinsvorsorge und appelliert an die Politik, dass diese Gemengelage im Privatwald eine sofortige und unbürokratische Hilfe erforderlich macht. Zur Wiederaufforstung allein würden rund 45 Mio. € benötigt. Diese Hilfe müsse langfristig unabhängig von Wahlperioden geleistet werden.

Der Fraktionsvorsitzende Dirk Toepffer bestätigt, dass „der Wald zur Chefsache“ geworden ist und man seinem Schutz und seiner Erhaltung höchste Priorität einräume. Er wolle sich bei den kommenden Haushaltsgesprächen dafür stark machen und in diesem Punkt sei sich die CDU mit ihrem Koalitionspartner einig, dafür Geld in den Haushalt einzustellen. Über die Verwendung der Mittel zur Sanierung des Waldes seien aus vielen Richtungen kontroverse Meinungen und Beurteilungen „auf seinem Schreibtisch gelandet“. Die Ansichten reichen von „alles in Ruhe lassen, die Natur könne das besser“ bis hin zur „kompletten Aufforstung mit Laubholz“ und „das benötigte Nadelholz könne ja importiert werden“. In diesem Spannungsfeld sei zur Argumentation und fachlichen Untermauerung in der politischen Debatte zur sinnvollen Verwendung von öffentlichen Geldern ,hinsichtlich der Gestaltung des zukünftigen Waldes die Expertise seitens der Forstfachleute, der Vertreter des Waldbesitzes sowie von Forstwissenschaftlern unentbehrlich.

Zu diesen Ausführungen stellt Alexander Graf von Hardenberg die dringende Bitte, im Sinne des Waldbesitzes zeitnah sämtliche Erkenntnisse zu bündeln und daraus eine realistische am Waldbesitz orientierte Handlungsempfehlung zu entwickeln. Das betrifft Themen wie die Zukunftsfähigkeit einzelner Baumarten in Zeiten des Klimawandels mit besonderem Blick auf die bisherige „Butter- und Brotbaumart Fichte“ aber auch auf die dürregeschädigte Buche und deren Kompensation durch angepasstere Baumarten wie z.B. die Douglasie oder Roteiche und damit die zukünftige Baumartenzusammensetzung. Dazu sei seiner Ansicht nach ein gewisser Pragmatismus über alle Waldbesitzarten unabdingbar, weil „wir alle in einem Boot sitzen“. Er habe bereits von seinem Vater gelernt, dass man nicht „der Besitzer seines Landes bzw. Waldes, sondern nur der Verwalter für künftige Generationen sei“ und sich jetzt entscheide, wie der Wald für seine Nachkommen aussähe. Dieses Prinzip des langfristigen und nachhaltigen Denkens beherzige seine Familie bereits seit Generationen.

Einig war man sich seitens der Forst und des Waldbesitzes darüber, dass ein nicht unerheblicher Anteil an Nadelhölzern wieder aufgeforstet werden müsse, weil gerade Nadelholz in diversen Branchen, wie z.B. der Bauwirtschaft notwendig ist und sein wird. Einig war man sich auch darüber, dass zwar eine umfassende Zusammenarbeit nötig sei, aber der Waldbesitzer dennoch, so Leben „die Lufthoheit über sein Eigentum behalten müsse“. Der Landwirtschaftskammer wird an dieser Stelle für die Organisation der Bereisung nochmals herzlich gedankt.

 

Foto: Ernste Gesichter beim niedersächsischen CDU Fraktionsvorsitzenden Dirk Toepffer, dem Präsidenten des niedersächsischen Waldbesitzerverbandes Norbert Leben und dem Waldeigentümer Alexander Graf von Hardenberg angesichts der Waldschäden (Foto: Ulrike Säger-FBG Northeim w.V.).